Bopparder preschen über die Vulkane - Gasthauer siegt nach Fotofinish

Bopparder preschen über die Vulkane - Gasthauer siegt nach Fotofinish

Knapp 4 Wochen nach dem heißen 8 Stunden Rennen in Balduinstein (bei Diez an der Lahn), nahm gestern (12.09.2020) die Bopparder Mountainbike Equipe erneut an einem der wenigen ausgetragenen Radsportwettkämpfe in diesem Jahr teil. Der Vulkan-Bike-Eifel-Marathon in Daun wird voraussichtlich auch die letzte rheinland-pfälzische Veranstaltung dieser Saison gewesen sein, denn nach weiteren Terminen sucht man in den einschlägigen Foren vergebens.

Bei der Anreise noch frische 8°, bei welchen man sich tunlichst im hügeligen Städtchen warmfahren musste, um nicht als Eiszapfen in den Startblöcken zu stehen. Diese waren dem hygienischen Schutzkonzept folgend auf 50 Starter limitiert, starteten in 10 Minuten Abständen und waren zwar der Distanz nach zeitlich geordnet, aber leistungstechnisch bunt gemischt. So kam es unterwegs vor Allem auf den Langdistanzen immer wieder zu Verzögerungen, wenn auf langsamere Fahrer aufgeschlossen und ein Überholmanöver eingeleitet werden musste. Gottlob verhielten sich die Meisten rücksichts- und verständnisvoll. Dennoch hatte wohl  jeden der insgesamt knapp 1300 Teilnehmer das Rennfieber gepackt und schon nach dem ersten Einführungskilometer mit Mundschutz bergab hieß es „Feuer frei“. Wer hier keine Gruppe für den Windschatten fand, hatte bereits verloren und von Beginn an zu leiden, denn auf den überwiegend breiten Forstautobahnen lag die Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich über dem gewohnten Niveau.

Das bekam auch Jan Pätzold aus Boppard in der U-17 Klasse des Jugend Cups auf der 38 KM Strecke zu spüren, der lange den Anschluss an die Spitzengruppe halten konnte, sich jedoch schließlich bei den Verfolgern einreihen musste. Nach einem beherzten Sprint den letzten Anstieg in die Stadt hinein rettete er über die gesamten 900 HM der Strecke mit 1:37 Std. noch den Top 10 Platz 10 ins Ziel.

Über die gleichen Höhenmeter zog sich auch die 35 km Distanz des Sport-Tracks, den u.a. Eva Wagner (Koblenz) und Vanessa Wetzlar (Emmelshausen) für die TG in Angriff nahmen. Insbesondere der vorletzte Anstieg über das Skigebiet Mäuseberg sog die letzte Power aus den Beinen. Da halfen auch keine wummernden Rammstein-Bässe aus überdimensionalen Boxen am Streckenrand. Eher  konnte das dort von unserem Trainer Pierre Pötz gereichte Wasser wieder einen Bruchteil der verbliebenen Lebensgeister aufwecken, die sich aber spätestens nach der nächsten Kurve und der Erkenntnis, dass die Steigung noch immer nicht ihr Ende hatte, vollends verschwanden. Dennoch bewältigten unsere Damen auch diese Tortur und Vanessa erreichte in einer zwar dünn besetzten aber doch aufgeführten Altersklasse U-19 den 3. Podestplatz. Und auch Eva kann sich in der Eliteklasse der Damen einen Top Ten Platz 9 in ihre Palmares einfügen.

Etwas weiter vorn auf gleicher Distanz unterwegs, ein weiterer unserer Trainer: Frank Pätzold (Boppard) hatte sichtlich Freude und arbeitete sich stetig bis auf Rang 19 in seiner Altersklasse (Sen2) vor. Rang 7 dort ging indes an Karl Gasthauer aus Kettig, der immer mal wieder einen Schulterblick riskieren musste, ob nicht bereits seine Tochter Emma an seinem Hinterrad klebte. Diese war etwas später auf die 38 KM mit 900 HM in der U-15 Klasse gestartet, auf welcher auch die inoffizielle Schülermeisterschaft ausgetragen wurde. Nach 1:55 Stunden bei Temperaturen nahe der 30° Marke, überquerte sie bereits wieder die Ziellinie und siegte mit einem Wimpernschlag Vorsprung von 2 Hundertstel Sekunden vor Leonie Reichel von den TriKids Montabaur. Damit verteidigte sie ihren Titel als Schülermeisterin aus dem Vorjahr erneut.

Zwar unter dem Begriff „Schülermeisterschaft“ werbewirksam angepriesen, fanden die weiteren ausgetragenen Kinderrennen der Altersklassen U-9 bis U-13 anscheinend nur beiläufig statt, während das Gros der potentiellen Zuschauer sich ja auf den Marathondistanzen selbst bewegte. Entsprechend gering war scheinbar das Interesse wohl auch der Ausrichter und man hatte den gemeinsamen Start all dieser Nachwuchsfahrer festgelegt. Dies obwohl pro Altersklasse verschiedene Rundenzahlen abzuleisten waren. Verständlich, wenn dabei der Streckensprecher den Überblick verliert und einen Zieleinlauf verkündet, obwohl noch Sportler hätten weiterfahren müssen. Diesem Fauxpas fiel auch Lukas Rüdesheim (Dörth) in der U-11  zum Opfer, der in den Podesträngen unterwegs, nach einer Runde schon das Gas wegnahm, obwohl eine zweite anstand. Nachdem er den Fehler durch Zuruf seiner Eltern erkannt und die Verfolgung wieder aufgenommen hatte, fand er sich  letztlich auf Rang 5 wieder.

Mit 65 km und 1300 HM hatte sich Christian Volk (Spay) auf der Halbmarathondistanz herumzuschlagen. Schon sehr früh waren einige Löcher zu schließen, die sich durch den beschriebenen Startmodus ergaben und  er lieferte sich mitunter direkte Duelle mit Fahrern aus der ersten deutschen E-Bike Meisterschaft (ebenfalls ein Werbecoup) um ihren späteren Sieger Jochen Käß (Team Centurion Vaude). Diese hatten verständlicherweise in den Anstiegen regelmäßig die Nase vorn, während Volk seinen Vorteil in den Abfahrten ausspielen konnte und diesen angesichts des letzten Anstiegs in die Stadt nutzen wollte. Also brachte er im Windschatten eines Pedelecs den Puls in erholende Bereiche herunter und setzte schließlich zum Spurt gen Ziel an. Doch bissen in diesem Moment wieder die Krämpfe zu, dass er auch hier den Fahrer mit Elektrohilfe ziehen lassen musste. Letztlich ergab sich für ihn Rang 17 bei den Sen1 nach 2:51 Stunden.

Um in diesem Jahr eventuell doch noch weitere Ergebnisse für die TG Boppard einzufahren, müssen unsere Fahrer nun den Blick in die benachbarten Länder von Rheinland-Pfalz richten, wir halten auf dem Laufenden!

Foto v. C. Rüdesheim: Starter in Daun - es fehlen K. und E. Gasthauer